Vor unserer Reise nach Finnland hatte ich mir genau diese Fragen gestellt.
Unsere Reise führte Thor und mich mit dem Auto von Zürich nach Travemünde und von dort mit Finnlines nach Helsinki. Rund 33 Stunden auf der Ostsee – für uns beide eine völlig neue Erfahrung.
Und ja: Ich hatte vorher durchaus Respekt davor.
Nach Hin- und Rückfahrt kann ich sagen: Viele meiner Sorgen waren unbegründet. Gleichzeitig habe ich einige Dinge gelernt, die ich beim nächsten Mal anders machen würde.
Deshalb möchte ich euch nicht erzählen, wie eine Fährreise mit Hund theoretisch funktioniert. Ich möchte euch zeigen, wie wir sie tatsächlich erlebt haben – mit einem grossen Rottweiler, einer hundefreundlichen Aussenkabine, Gassirunden auf Deck und einer Rückfahrt mit ordentlich Seegang.
Von Zürich nach Travemünde – das würde ich heute anders machen
Unsere erste Etappe führte uns von Zürich nach Travemünde. Ich bin die gesamte Strecke an einem Tag gefahren.
Es funktioniert – aber ich würde es nicht noch einmal so machen.
Nach einer so langen Autofahrt wartet schliesslich nicht einfach ein Hotelzimmer, sondern noch eine rund 33-stündige Überfahrt.
Bei meiner nächsten Reise würde ich deshalb eine Übernachtung auf dem Weg nach Travemünde einplanen. So könnte ich entspannter am Hafen ankommen und auch Thor hätte vor dem Einschiffen noch einmal genügend Zeit für Bewegung und Ruhe.
Meine erste Erkenntnis dieser Reise lautet deshalb:
„Nicht nur das Ziel planen, sondern auch den Weg dorthin.“

Das Einschiffen – der Moment, vor dem ich am meisten Respekt hatte
Dann war es soweit.
Wir standen am Hafen und vor uns lag die Auffahrt auf die Fähre.
Ich gebe zu: Ich war etwas nervös.
Autos vor einem, Autos hinter einem, Einweiser, Rampen – und irgendwann fährt man mit dem eigenen Auto in den Bauch dieses riesigen Schiffes.
Als das Auto auf dem Parkdeck stand, wollte ich vor allem eines vermeiden: mit Thor mitten in den grössten Trubel zu geraten.
Ich brachte deshalb zuerst unser Gepäck in die Kabine und wartete anschliessend bewusst, bis die erste grosse Menschenmenge durch war.
Erst danach ging ich mit Thor in Ruhe zur Kabine.
Das würde ich jederzeit wieder genauso machen.
Gerade mit einem grossen Hund muss man nicht unbedingt gleichzeitig mit unzähligen Menschen, Koffern und Taschen durch die engen Bereiche des Schiffes laufen.


Unsere hundefreundliche Aussenkabine mit Fenster
Ich hatte für uns eine hundefreundliche Aussenkabine mit Fenster gebucht – und darüber war ich während der Überfahrt sehr froh.
Nach der langen Autofahrt, dem Einschiffen und all den neuen Eindrücken brauchte Thor vor allem eines:
Ruhe.
Und die fand er erstaunlich schnell.
Ich hatte mir vorher Gedanken gemacht, ob ein Hund auf einem Schiff überhaupt richtig zur Ruhe kommen würde. Motorengeräusche, Bewegungen, fremde Gerüche und Menschen auf den Gängen – all das kannte er schliesslich nicht.
Thor machte daraus allerdings keine grosse Sache.
Sofa gefunden. Hingelegt. Geschlafen.
Er regenerierte sich sehr schnell und die Kabine wurde zu seinem Rückzugsort.
Manchmal machen wir Menschen uns vorher offenbar mehr Gedanken als unsere Hunde.


Eine kleine Überraschung für Thor: der Goody-Bag
In unserer Kabine wartete ausserdem eine schöne Überraschung auf Thor: ein „We ❤️ Pets“-Goody-Bag von Finnlines.
Darin befanden sich verschiedene Kleinigkeiten für den vierbeinigen Passagier, darunter ein Snack, Kotbeutel und eine kleine Decke beziehungsweise ein Handtuch.
Natürlich entscheidet ein Goody-Bag nicht darüber, ob eine Fährreise mit Hund funktioniert. Trotzdem fand ich diese Aufmerksamkeit richtig schön.
Man bekommt dadurch sofort das Gefühl, dass Hunde an Bord nicht einfach nur irgendwie erlaubt sind, sondern tatsächlich mitgedacht werden.
Thor dürfte sich allerdings hauptsächlich für den essbaren Teil des Willkommensgeschenks interessiert haben. 😂🐾


Wichtig: Auf dem Schiff gilt Leinenpflicht
Ein Punkt, den man vor der Reise wissen sollte:
Auf dem Schiff gilt Leinenpflicht.
Sobald wir unsere Kabine verlassen haben, war Thor deshalb an der Leine – in den Gängen, auf dem Weg nach draussen und natürlich auch auf dem Hundedeck.
Gerade bei einem grossen Hund finde ich das absolut sinnvoll.
Die Platzverhältnisse können teilweise eng sein und man begegnet anderen Passagieren, Kindern und natürlich auch anderen Hunden.
Die engen Kabinengänge waren meine grösste Sorge
Die Kabine selbst war für Thor überhaupt kein Problem.
Mehr Gedanken machte ich mir über die engen Gänge zu den Kabinen.
Teilweise ist dort wirklich wenig Platz. Gleichzeitig laufen Menschen mit Gepäck vorbei, Türen öffnen sich und Kinder rennen durch die Gänge.
Mit einem grossen Hund wollte ich unnötig enge Begegnungen möglichst vermeiden.
Meine Lösung war ziemlich einfach:
Ich wählte bewusst ruhige Zeiten für unsere Gassirunden.
Ich musste nicht genau dann mit Thor losgehen, wenn besonders viele Menschen unterwegs waren. Lieber wartete ich ein paar Minuten und ging danach entspannt nach draussen.
Das hat für uns hervorragend funktioniert und würde ich wieder genauso machen.
Gassi gehen mitten auf der Ostsee
Kommen wir zu einer der Fragen, die mir vor der Reise wahrscheinlich am häufigsten durch den Kopf ging:
Wo geht ein Hund während 33 Stunden Fähre eigentlich aufs WC?
Auf Deck 7 gibt es zwei Aussendecks für Hunde, auf denen sie sich versäubern können.
Ich war ungefähr alle sechs Stunden mit Thor draussen.
Natürlich ersetzt eine Runde auf dem Schiff keinen normalen Spaziergang. Aber Thor konnte sich bewegen, frische Luft schnappen und vor allem sein Geschäft erledigen.
Und genau davor hatte ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht.
Wird er dort überhaupt pinkeln?
Und wird er dort auch sein grosses Geschäft machen?
Die Antwort war bei Thor ziemlich eindeutig:
Ja. Ohne Probleme.
Ich war wirklich positiv überrascht, wie unkompliziert das funktionierte.
Wobei Thor ein Rüde ist – und zumindest bei ihm scheint die Frage „Darf ich hier wirklich pinkeln?“ keine besonders lange Entscheidungsfindung auszulösen. 😂
Trotzdem würde ich nicht davon ausgehen, dass jeder Hund sofort versteht, wofür der Bereich gedacht ist. Wenn ein Hund sich normalerweise nur auf bestimmten Untergründen löst, würde ich etwas Geduld mitbringen.



Und plötzlich wurde aus „Gassi gehen“ einer der schönsten Momente
Was ursprünglich einfach notwendige Gassirunden sein sollten, wurde für mich zu einem der schönsten Teile der Überfahrt.
Meer.
Wind.
Ruhe.
Und Thor neben mir.
Gerade am frühen Morgen oder am Abend war die Stimmung draussen unglaublich schön.
Und irgendwann merkte ich:
Diese 33 Stunden waren nicht einfach nur die notwendige Strecke zwischen Deutschland und Finnland. Die Überfahrt war bereits ein Teil unserer Reise.

Futter auf der Fähre: gewohntes Futter, aber weniger davon
Thors normales Futter hatte ich von zu Hause mitgenommen.
Für mich war klar, dass ich während einer solchen Reise nicht zusätzlich das Futter wechseln wollte. Neue Umgebung, Schiff, fremde Geräusche und ein komplett anderer Tagesablauf sind bereits genügend Veränderungen.
Allerdings bekam Thor nicht seine normale Futtermenge.
Der Grund war ganz einfach: Seine Bewegung und Auslastung waren auf dem Schiff deutlich geringer als zu Hause.
Ein paar Runden über das Hundedeck sind natürlich nicht mit normalen Spaziergängen, Training und seinem gewohnten Alltag vergleichbar.
Deshalb habe ich die Futtermenge entsprechend angepasst.
Für uns hat das sehr gut funktioniert.
Mein Tipp: Wasser für den Hund selbst mitnehmen
Einen Punkt würde ich jedem empfehlen, der diese Reise mit Hund plant:
Nehmt genügend eigenes Trinkwasser für euren Hund mit.
Das Wasser auf dem Schiff empfand ich als sehr chlorhaltig.
Ich war deshalb froh, eigenes Wasser für Thor dabeizuhaben.
Gerade auf einer langen Reise möchte ich nicht riskieren, dass mein Hund weniger trinkt, weil das Wasser plötzlich anders riecht oder schmeckt.
Für unsere nächste Überfahrt gehört ein ausreichender Wasservorrat deshalb wieder ganz selbstverständlich ins Gepäck.
Kann man den Hund alleine in der Kabine lassen?
Bei Thor: ja.
Ich habe ihn während der Überfahrt auch alleine in der Kabine gelassen und das funktionierte völlig problemlos.
Ich kenne Thor und weiss, dass er schläft, wenn ich nicht da bin. Deshalb war das für uns nichts grundsätzlich Neues.
Die Kabine hatte er sehr schnell als Ruhezone akzeptiert.
Natürlich ist jeder Hund anders.
Ein Hund, der bereits zu Hause Schwierigkeiten mit dem Alleinbleiben hat, wird auf einem fremden Schiff wahrscheinlich nicht plötzlich völlig entspannt damit umgehen.
Bei Thor funktionierte es problemlos.
33 Stunden – und irgendwann wird es einfach ruhig
Nach dem Einschiffen, der ersten Aufregung und den ersten Gassirunden entstand irgendwann tatsächlich so etwas wie Alltag.
Thor schlief.
Ich konnte etwas arbeiten.
Wir gingen aufs Deck.
Dann wieder zurück in die Kabine.
Und irgendwann sass ich einfach da und schaute aufs Meer.
Keine Autobahn.
Kein Verkehr.
Kein Ort, den man in den nächsten zehn Minuten erreichen muss.
Einfach nur Meer.
Und plötzlich fühlten sich diese 33 Stunden gar nicht mehr so lang an.


Hinfahrt entspannt – Rückfahrt mit starkem Seegang
Hier möchte ich auch die andere Seite unserer Erfahrung erzählen.
Auf der Hinfahrt war der Seegang völlig in Ordnung. Thor hatte damit keine nennenswerten Probleme.
Die Rückfahrt war eine andere Geschichte.
Wir hatten sehr starken Seegang und diesmal merkte ich deutlich, dass Thor damit Mühe hatte.
Er war unruhig und konnte zunächst nicht so gut entspannen wie während der Hinfahrt.
Nach der ersten Nacht wurde es allerdings besser. Er gewöhnte sich an die Bewegung des Schiffes und fand wieder mehr Ruhe.
Für mich gehört auch diese Erfahrung zu einem ehrlichen Bericht über eine lange Fährreise mit Hund.
Man kann eine wunderbar ruhige Ostsee erwischen.
Man kann aber eben auch erleben, wie sich ein grosses Schiff plötzlich ziemlich deutlich bewegt.
Und Hunde können darauf genauso unterschiedlich reagieren wie Menschen.
Angekommen – und den Hund nicht zu früh ins Auto bringen
Nach rund 33 Stunden ist die Freude natürlich gross, wenn Helsinki näher kommt und man weiss: Gleich sind wir da.
Gerade hier habe ich aber noch einen wichtigen Tipp für Hundebesitzer:
Ich würde den Hund bei der Ankunft nicht als Erstes ins Auto bringen.
Auf unserer Reise dauerte es ungefähr 40 Minuten, bis wir tatsächlich von Bord fahren konnten.
Und auf dem Autodeck kann es während dieser Wartezeit sehr warm werden.
Deshalb würde ich einen Hund dort nicht unnötig früh ins Auto setzen und anschliessend warten lassen.
Mein Tipp nach dieser Reise:
Lasst euren Hund so lange wie möglich im angenehmeren Bereich des Schiffes und bringt ihn erst zum Auto, wenn es wirklich Richtung Ausschiffung geht.
Gerade nach 33 Stunden Überfahrt müssen die letzten 30 oder 40 Minuten nicht noch zu einer unnötigen Belastung werden.
Meine Packliste für 33 Stunden Fähre mit Hund
- gewohntes Hundefutter
- ausreichend eigenes Trinkwasser
- Futter- und Wassernapf
- Leine
- vertraute Decke oder Liegeunterlage
- Kotbeutel
- Handtuch für nasse Pfoten
- notwendige Reisedokumente für den Hund
- alles Wichtige für die erste Nacht direkt griffbereit
Und etwas, das nichts wiegt, aber mindestens genauso wichtig ist:
Zeit und Ruhe.
Nicht sofort nach dem Einschiffen alles erkunden wollen. Nicht unbedingt während des grössten Trubels durch die engen Gänge laufen. Dem Hund Zeit geben, die neue Situation zu verarbeiten.
Meine wichtigsten Erfahrungen nach Hin- und Rückfahrt
- Aussenkabine mit Fenster war für uns ideal
- nach dem Einschiffen Ruhe einkehren lassen
- Leinenpflicht beachten
- ruhige Zeiten in engen Kabinengängen nutzen
- eigenes Trinkwasser mitnehmen
- gewohntes Futter verwenden
- Hundedecks rechtzeitig nutzen
- starken Seegang einkalkulieren
- Hund bei Ankunft nicht zu früh ins Auto bringen
Mein zusätzlicher Tipp für Hunde, die auf Reisen schnell gestresst sind
Thor hat die Fährfahrt insgesamt sehr gut gemeistert und ich musste ihm nichts zur Beruhigung geben.
Trotzdem weiss ich, dass nicht jeder Hund mit einer so ungewohnten Situation gleich entspannt umgeht.
Gerade die vielen neuen Eindrücke – das Auffahren auf das Schiff, fremde Geräusche, Vibrationen, enge Gänge und eventuell stärkerer Seegang – können für sensible oder nervöse Hunde eine Herausforderung sein.
Wer bereits weiss, dass sein Hund bei Reisen oder ungewohnten Situationen schnell unter Stress gerät, kann sich deshalb schon vor der Reise Gedanken über eine geeignete Unterstützung machen und diese idealerweise vorher zu Hause ausprobieren.

Unterstützung für sensible Hunde auf Reisen
Eine mögliche Ergänzung für Hunde, die in ungewohnten Situationen schnell unter Stress geraten.
Produkt bei Amazon ansehen →Bei stärkerer Angst, Reisekrankheit oder Unsicherheit über geeignete Unterstützung vor einer so langen Überfahrt tierärztlichen Rat einholen.
Würde ich 33 Stunden Fähre mit Hund wieder machen?
Ja. Definitiv.
Vor dieser Reise wusste ich nicht, wie Thor 33 Stunden auf einem Schiff verkraften würde.
Wird er schlafen?
Wird er sich auf dem Deck lösen?
Wie funktionieren die engen Gänge mit einem Rottweiler?
Kann ich ihn alleine in der Kabine lassen?
Und wie reagiert er auf Seegang?
Heute kenne ich die Antworten.
Nicht jeder Moment war perfekt. Der starke Seegang auf der Rückfahrt war für Thor zunächst unangenehm. Die engen Gänge erfordern mit einem grossen Hund etwas Planung. Und 33 Stunden bleiben 33 Stunden.
Aber insgesamt hat Thor diese Reise unglaublich unkompliziert gemeistert.
Und ich würde es wieder machen.
Finnland – wir kommen wieder 🇫🇮🐾
Eigentlich steht für mich sogar schon fest:
Ich möchte noch einmal nach Finnland.
Dann aber nicht wegen eines Termins oder einer Veranstaltung, sondern ganz bewusst für Ferien.
Zwei bis drei Wochen.
Thor und ich.
Genügend Zeit, um Finnland zu entdecken, draussen unterwegs zu sein und das Land noch einmal ganz anders kennenzulernen.
Auch die Fähre würde ich wieder nehmen.
Nur eine Sache würde ich definitiv ändern:
Zürich–Travemünde würde ich nicht mehr an einem einzigen Tag fahren.
Beim nächsten Mal würde ich unterwegs übernachten und bereits die Anreise entspannter gestalten.
„Wenn man mit Hund reist, ist nicht nur das Ziel das Abenteuer. Der gemeinsame Weg dorthin gehört genauso dazu.“
Und manchmal beginnt Finnland eben schon irgendwo mitten auf der Ostsee. ❤️🇫🇮🐾





