
Rassen · Rasseporträt
Rottweiler: 50 Kilo Meinung, Muskelpaket und erstaunlich viel Gefühl
Der Rottweiler ist stark, loyal und deutlich mehr als sein Ruf. Ein ehrlicher Rasseguide zu Wesen, Haltung, Geschichte, Gesundheit und Zucht.
Es gibt Hunderassen, bei denen Menschen sagen:
„Oh, wie süss.“
Und dann gibt es den Rottweiler.
Da sagen sie eher:
„Oh.“
Manchmal folgt noch ein vorsichtiger Schritt zur Seite.
Was insofern interessant ist, weil der Hund selbst möglicherweise gerade hochkonzentriert versucht herauszufinden, ob du in deiner Jackentasche Käse hast.
Der Rottweiler ist eine dieser Rassen, über die erstaunlich viele Menschen eine Meinung haben.
Oft sehr früh.
Oft sehr eindeutig.
Und nicht immer mit besonders viel eigener Erfahrung dahinter.
Dabei ist die Realität deutlich interessanter als das übliche Bild vom schwarzen Muskelpaket mit Sicherheitsdienst-Aura.
Der Rottweiler soll laut Rassestandard selbstsicher, nervenfest, arbeitsfreudig, anhänglich und seiner Umwelt gegenüber aufmerksam, aber gelassen sein.
Nur eines ist er ganz sicher nicht:
Ein Hund, den man kauft und danach schaut, was passiert.
Spoiler:
Es passiert etwas.
Woher kommt der Rottweiler eigentlich?
Der Rottweiler zählt laut FCI zu den ältesten Hunderassen. Seine Geschichte reicht bis in die Römerzeit zurück. Hunde begleiteten damals die Legionen über die Alpen, beschützten Menschen und trieben Vieh.
Im Raum der heutigen Stadt Rottweil trafen diese Hunde später auf einheimische Hunde und vermischten sich mit ihnen.
Dort entwickelte sich ein kräftiger Gebrauchshund, dessen Hauptaufgaben im Treiben und Bewachen von Grossviehherden sowie im Schutz seines Herrn und dessen Eigentum lagen.
Daher stammt auch die historische Bezeichnung:
„Rottweiler Metzgerhund“.
Metzger züchteten diesen Hundeschlag auf Leistung und Gebrauchstauglichkeit. Die Hunde wurden als Treib-, Wach- und Gebrauchshunde eingesetzt und fanden teilweise auch als Zughunde Verwendung.
Im Jahr 1910 wurde der Rottweiler in Deutschland offiziell als Polizeihund anerkannt.
Mit anderen Worten:
Bevor dein Rottweiler heute dramatisch behauptet, dass der Weg vom Sofa bis zum Wassernapf unzumutbar weit sei, hatte seine Verwandtschaft einen echten Beruf.
Der Rottweiler heute
Die FCI führt den Rottweiler unter der Standardnummer 147 in Gruppe 2 bei Pinschern, Schnauzern, Molossoiden und Schweizer Sennenhunden.
Ursprungsland ist Deutschland.
Seine offizielle Verwendung lautet:
Begleit-, Dienst- und Gebrauchshund.
Beim Allgemeinen Deutschen Rottweiler-Klub, dem ADRK, wird das Zuchtziel noch breiter beschrieben. Dort ist vom Begleit-, Blinden-, Dienst-, Gebrauchs- und Familienhund die Rede.
Das ist ein interessanter Kontrast.
Das Tier, vor dem Menschen auf der Strasse gelegentlich einen vorsorglichen Halbkreis laufen, gehört gleichzeitig zu einer Rasse, die für anspruchsvolle Aufgaben eng mit Menschen zusammenarbeitet.
Und genau da beginnt eigentlich schon das Verständnis dieser Rasse.
Der Rottweiler wurde nicht jahrhundertelang dafür gezüchtet, dekorativ neben einer Designercouch zu liegen.
Natürlich kann er das.
Sehr überzeugend sogar.
Er wurde aber als leistungsfähiger Gebrauchshund gezüchtet.
Und diese Herkunft merkt man ihm bis heute an.
Wie sieht ein Rottweiler aus?
Kurz gesagt:
Nicht subtil.
Rüden erreichen laut Rassestandard eine Widerristhöhe von etwa 61 bis 68 Zentimetern und ein Richtgewicht von ungefähr 50 Kilogramm.
Hündinnen liegen bei rund 56 bis 63 Zentimetern und etwa 42 Kilogramm.
Das Fell ist schwarz mit klar abgegrenzten rotbraunen Abzeichen.
Der Körper soll kompakt, kräftig und leistungsfähig wirken.
Wichtig ist aber:
Der Rottweiler ist kein Wettbewerb nach dem Motto:
Je breiter der Kopf und je schwerer der Hund, desto besser.
Der offizielle Standard beschreibt einen kräftigen, aber korrekt proportionierten Hund, dessen Körperbau Kraft, Wendigkeit und Ausdauer erkennen lässt.
Übermässig schwere und molossoide Erscheinungen werden im Standard sogar ausdrücklich als schwerer Fehler aufgeführt.
Ein guter Rottweiler soll also funktional bleiben.
Schliesslich muss irgendwo zwischen Brustkorb, Muskeln und erstaunlich überzeugendem Bettelblick auch noch ein Hund hinein.
Das Wesen: Was ein Rottweiler wirklich sein soll
Beim Wesen wird es besonders spannend, weil Realität und öffentliches Image gelegentlich leicht auseinanderlaufen.
Der offizielle Rassestandard beschreibt den Rottweiler als von freundlicher und friedlicher Grundstimmung, sehr anhänglich, gehorsam, führig und arbeitsfreudig.
Er soll selbstsicher, nervenfest und unerschrocken sein und seiner Umwelt mit hoher Aufmerksamkeit, gleichzeitig aber gelassen begegnen.
Das klingt deutlich anders als:
„Hund wacht morgens auf und sucht Streit.“
Ein nervenstarker Rottweiler sollte gerade nicht ständig explodieren.
Selbstsicherheit zeigt sich nicht darin, bei jedem Blatt im Wind eine Vollversammlung einzuberufen.
Gelassenheit ist ein wichtiger Bestandteil des gewünschten Wesens.
Und genau deshalb sollte man einen unsicheren, schlecht sozialisierten oder schlecht geführten Rottweiler auch nicht einfach mit
„Ist halt die Rasse.“
entschuldigen.
Nein.
Ist nicht halt die Rasse.
Anhänglich? Das Wort wird dem Rottweiler kaum gerecht
Wer einen Rottweiler nur von aussen betrachtet, erwartet häufig einen relativ unabhängigen Wachhund.
Dann lebt man mit einem.
Und stellt fest:
Privatsphäre war schön.
Du gehst in die Küche.
Der Rottweiler geht in die Küche.
Du gehst ins Wohnzimmer.
Der Rottweiler geht ins Wohnzimmer.
Du gehst zur Toilette.
Nun ja.
Offensichtlich handelt es sich um eine hochsensible Sicherheitslage.
Und wenn neben dir auf dem Sofa noch 17 Zentimeter Platz übrig sind, wird ein 50-Kilo-Rüde durchaus zu dem Schluss kommen:
Perfekt.
Passt.
Ist ein Rottweiler ein Familienhund?
Ja.
Aber dieses „Ja“ braucht einen zweiten Satz.
Der Rottweiler kann ein sehr enger Familien- und Begleithund sein. Auch der ADRK nennt den Familienhund ausdrücklich innerhalb seines Zuchtziels.
„Familienhund“ bedeutet aber nicht automatisch:
läuft nebenher.
Ein Rottweiler braucht Sozialisation, Erziehung und Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Ein schlecht erzogener kleiner Hund kann anstrengend sein.
Ein schlecht erzogener Rottweiler ist zusätzlich sehr gross und sehr kräftig.
Das ist ein Unterschied.
Körperkraft verändert die Verantwortung.
Ein Hund mit 40 oder 50 Kilo sollte nicht erst dann lernen, dass Ziehen an der Leine ungünstig ist, wenn du bereits jeden Laternenpfahl deiner Gemeinde persönlich kennst.
Wie sich das anfühlt, wenn Spaziergänge weniger nach Pinterest und mehr nach öffentlicher Veranstaltung aussehen, beschreibe ich im Artikel über Leinenpöbler ziemlich ausführlich.
Erziehung: freundlich bedeutet nicht beliebig
Beim Rottweiler sind klare und verlässliche Regeln im Alltag wichtig.
Das hat nichts mit unnötiger Härte zu tun.
Es bedeutet, dass Regeln verständlich und nachvollziehbar sind.
Heute darf der Hund aufs Sofa, morgen nicht, übermorgen nur mit schriftlicher Genehmigung und am Donnerstag entscheidet man nach Mondphase?
Schwierig.
Rottweiler sind arbeitsfreudig und führig – beides Eigenschaften, die ausdrücklich im Rassestandard genannt werden.
Das Schöne daran:
Man kann unglaublich viel mit ihnen machen.
Das weniger Schöne:
Sie können ebenfalls Dinge lernen, die man ihnen eigentlich nie beibringen wollte.
Zum Beispiel:
„Wenn ich die Küchentür nur lange genug anschaue, wird irgendwann jemand nervös.“
Studienlage dazu:
mein Alltag.
Und noch etwas wird gerne unterschätzt:
Ein Rottweilerwelpe wird körperlich erstaunlich schnell zu einem ziemlich grossen Hund.
Deshalb lohnt es sich, bei der Erziehung nicht darauf zu warten, bis aus zehn oder zwölf Kilogramm plötzlich vierzig geworden sind.
Braucht ein Rottweiler Hundesport?
Nicht jeder Rottweiler muss im Sport oder Dienst geführt werden.
Das ist wichtig.
Aus der Tatsache, dass der Rottweiler ein Gebrauchshund ist, folgt nicht automatisch, dass jeder einzelne Hund eine IGP-Karriere braucht.
Rottweiler profitieren aber von sinnvoller körperlicher und mentaler Beschäftigung.
Und die kann erstaunlich vielseitig aussehen.
Das kann Nasenarbeit sein.
Unterordnung.
Fährtenarbeit.
Gebrauchshundesport.
Rettungshundearbeit.
Oder etwas ganz anderes.
Ein Rottweiler kann seine Nase beispielsweise bei der Trüffelsuche einsetzen.
Andere Rottweiler werden als Therapiehunde ausgebildet und begleiten Menschen in sozialen oder therapeutischen Einsatzbereichen.
Gerade das zeigt ziemlich schön, wie vielseitig diese Rasse eigentlich ist.
Der Hund, den viele spontan in die Schublade „Schutzdienst“ stecken, kann genauso seine Nase bei der Suche einsetzen oder ruhig mit Menschen zusammenarbeiten.
Rottweiler werden aufgrund ihrer Gebrauchshundeeigenschaften auch in verschiedenen Bereichen der Such- und Rettungshundearbeit eingesetzt.
Man muss also nicht zwangsläufig mit Schutzarm und Versteck auf dem Hundeplatz stehen, um einen Rottweiler sinnvoll zu beschäftigen.
Entscheidend ist weniger, welche Beschäftigung man auswählt.
Sie sollte zum jeweiligen Hund passen.
Denn auch innerhalb derselben Rasse sind Interessen, Temperament und Arbeitsweise individuell.
Nur jeden Abend kurz die Gartentür öffnen und fragen:
„Warst du?“
ist auf Dauer trotzdem eher kein vollständiges Beschäftigungskonzept.
Der Rottweiler und andere Menschen
Ein gut sozialisierter Rottweiler muss nicht jeden Menschen sensationell finden.
Das ist auch nicht erforderlich.
Er sollte aber sicher, kontrollierbar und angemessen mit Alltagssituationen umgehen können.
Und hier kommt ein Punkt ins Spiel, den Rottweilerhalter ziemlich schnell kennenlernen:
Der eigene Hund wird anders wahrgenommen.
Ein kleiner Hund bellt.
„Ach, der Kleine hat Angst.“
Ein Rottweiler bellt.
Innerhalb von sieben Sekunden wird eine Netflix-Dokumentation vorbereitet.
Das ist nicht immer fair.
Aber es ist Realität.
Und deshalb trägt man mit einem Rottweiler eine besondere Verantwortung dafür, dass der Hund im Alltag vernünftig geführt wird.
Nicht weil jeder Rottweiler gefährlich wäre.
Sondern weil ein grosser, kräftiger Hund bei einem Zwischenfall entsprechend schwere Folgen verursachen kann.
Wachsamkeit gehört dazu
Der historische Rottweiler wurde unter anderem zum Treiben, Bewachen und zum Schutz eingesetzt.
Auch heute gehören Aufmerksamkeit, Selbstsicherheit und Nervenstärke zu den im Standard beschriebenen Eigenschaften.
Viele Rottweiler nehmen ihre Umgebung entsprechend genau wahr.
Wer kommt?
Was passiert?
Warum steht dieses Paket jetzt vor unserer Tür?
Und weshalb wurde ich zu dieser sicherheitsrelevanten Angelegenheit nicht konsultiert?
Das bedeutet aber nicht, dass ein Rottweiler permanent Alarm machen sollte.
Gerade die Kombination aus Aufmerksamkeit und Gelassenheit gehört zum gewünschten Wesen.
Der ideale Rottweiler muss nicht jedem zeigen, dass er stark ist.
Man sieht es ohnehin.
Gesundheit und Zucht beim Rottweiler
Wie bei vielen grossen und kräftigen Hunderassen spielt Gesundheit in der Zucht eine wichtige Rolle.
Beim Rottweiler gehören insbesondere Hüftgelenksdysplasie, HD, und Ellbogengelenksdysplasie, ED, zu den Themen, die innerhalb einer geregelten Zucht berücksichtigt werden.
Daneben gibt es die erbliche Erkrankung JLPP – Juvenile Laryngeale Paralyse und Polyneuropathie.
Für JLPP steht ein Gentest zur Verfügung.
Und hier wird es bei der Welpensuche interessant.
Denn:
Rottweiler ist nicht automatisch Rottweiler, nur weil Rottweiler auf dem Papier steht.
Beim Schweizerischen Rottweilerhunde-Club, SRC, wird die Rottweilerzucht ausdrücklich als Gebrauchshundezucht bezeichnet.
Ein zur Zucht vorgesehener Rottweiler muss deshalb definierte Voraussetzungen erfüllen.
Dazu gehören unter anderem die Beurteilung von Hüfte und Ellbogen, der JLPP-Status, ein bestandener Wesenstest, eine Ausdauerprüfung AD sowie die Zuchttauglichkeitsprüfung ZTP.
Auch eine Formwertbeurteilung gehört zum Verfahren.
Dabei geht es nicht nur darum, ob Kopf, Körperbau und Gangwerk dem Standard entsprechen.
Auch Wesen, Nervenverfassung und Gebrauchshundeeigenschaften werden beurteilt.
Genau deshalb greift die einfache Einteilung in
„Sportlinie oder Familienlinie“
beim Rottweiler zu kurz.
Die Rasse ist grundsätzlich als Gebrauchshund gezüchtet.
Das bedeutet aber nicht, dass alle Züchter dieselben Schwerpunkte setzen oder jede Verpaarung dieselben Eigenschaften hervorbringen soll.
Züchter können innerhalb des vorgegebenen Rahmens unterschiedliche Schwerpunkte bei der Auswahl ihrer Zuchthunde setzen.
Und genau deshalb lohnt es sich, nicht nur hübsche Welpenbilder anzuschauen.
Schau dir die Elterntiere an.
Ihre Gesundheit.
Ihr Wesen.
Ihre Prüfungen.
Und vor allem:
Was möchte dieser Züchter mit seiner Verpaarung erreichen?
Denn am Ende soll nicht der spektakulärste Stammbaum einziehen.
Sondern der Rottweiler, der zu deinem Leben passt.
ZTP und Körung sind nicht dasselbe
Das wird schnell verwechselt.
Die Zuchttauglichkeitsprüfung ZTP gehört beim SRC zum Verfahren der Zuchtzulassung.
Die Körung ist eine darüber hinausgehende Selektion mit strengeren Anforderungen.
Ein Hund muss also nicht zwingend gekört sein, um grundsätzlich zur Zucht zugelassen werden zu können.
Auch bei HD und ED unterscheidet der SRC zwischen Zuchtfähigkeit und Körfähigkeit.
Beim JLPP-Status gilt ebenfalls eine klare Regel:
Ein genetischer Anlageträger wird nicht automatisch vollständig von der Zucht ausgeschlossen. Er darf jedoch nur mit einem genetisch freien Partner verpaart werden.
Zuchtreglemente sind also etwas komplizierter als:
„Hat Papiere. Darf Babys machen.“
Wer einen Welpen sucht, sollte deshalb nicht nur fragen:
„Sind die Eltern schön?“
Sondern auch:
Welche Gesundheitsuntersuchungen wurden gemacht?
Welche Ergebnisse liegen vor?
Welche Prüfungen haben die Elterntiere absolviert?
Wie sieht ihr Wesen aus?
Welche Zuchtziele verfolgt der Züchter?
Wie wachsen die Welpen auf?
Papiere allein machen keinen guten Hund.
Aber:
„Die Eltern waren beide sehr lieb.“
ist ebenfalls noch kein vollständiges Zuchtprogramm.
Ein Rottweilerwelpe ist übrigens nur vorübergehend klein
Das sollte man vielleicht erwähnen.
Denn Rottweilerwelpen haben eine ausgesprochen erfolgreiche Marketingstrategie.
Dicke Pfoten.
Runder Kopf.
Braune Augenbrauen.
Leicht tapsiger Gang.
Und ehe man sich versieht, lebt im Haus ein erwachsener Hund, dessen Kopf ungefähr die Dimension einer mittelgrossen Salatschüssel erreicht hat.
Deshalb beginnt Erziehung nicht bei 45 Kilo.
Sie beginnt beim Welpen.
Leinenführigkeit.
Ruhe.
Frustrationstoleranz.
Sozialverhalten.
Handling.
Tierarzt.
Auto.
Begegnungen.
Alltag.
Alles, was später selbstverständlich funktionieren soll, sollte möglichst früh sinnvoll aufgebaut und geübt werden.
Ist der Rottweiler für Anfänger geeignet?
Die Frage lässt sich nicht seriös mit einem pauschalen Ja oder Nein beantworten.
Ein engagierter Ersthundehalter, der sich vorbereitet, kompetente Unterstützung hat und bereit ist, Zeit in Ausbildung und Sozialisation zu investieren, kann geeigneter sein als jemand, der seit 20 Jahren Hunde hält und seit 19 davon überzeugt ist, bereits alles zu wissen.
Trotzdem ist der Rottweiler keine Rasse, deren Kraft, Wachsamkeit und Arbeitsbereitschaft man unterschätzen sollte.
Wer eigentlich einen unkomplizierten Hund sucht, der möglichst wenig Erziehung benötigt und überall einfach irgendwie mitläuft, findet vermutlich passendere Kandidaten.
Der Rottweiler möchte Beziehung.
Struktur.
Beschäftigung.
Und ziemlich wahrscheinlich einen beträchtlichen Anteil deines Sofas.
Was viele am Rottweiler unterschätzen
Seine weiche Seite.
Von aussen:
Muskeln.
Breiter Kopf.
Schwarzes Fell.
Blick wie Türsteher.
Innen:
„Warum hast du aufgehört, mich zu kraulen?“
Das ist natürlich keine wissenschaftliche Wesensbeschreibung.
Aber der Rassestandard beschreibt den Rottweiler tatsächlich als sehr anhänglich.
Und genau dieser Kontrast ist für viele Menschen, die mit einem Rottweiler leben, ziemlich faszinierend.
Der Rottweiler kann kraftvoll und gleichzeitig ausgesprochen menschenbezogen sein.
Er kann im Training hochkonzentriert arbeiten und später zu Hause aussehen, als habe ihn das Leben persönlich enttäuscht, weil sein Abendessen drei Minuten verspätet ist.
Genau diese Gegensätze machen ihn so besonders.
Und dann wäre da noch der Ruf
Über kaum eine Hunderasse wird so schnell geurteilt.
Der Rottweiler wird je nach Land, Kanton oder Region rechtlich unterschiedlich behandelt.
Ein aktuelles Beispiel liefert ausgerechnet mein eigener Kanton:
Zürich.
Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat den Rottweiler per 1. Januar 2025 auf die Rassetypenliste II aufgenommen.
Damit sind im Kanton Zürich der Erwerb, die Zucht und der Zuzug von Rottweilern grundsätzlich verboten.
Für Rottweiler, die bereits vor dem 1. Januar 2025 im Kanton Zürich registriert waren, gab es eine Übergangsregelung. Deren Halter mussten eine Haltebewilligung beantragen und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.
Ich weiss das nicht nur aus der Zeitung.
Ich lebe im Kanton Zürich.
Und auch Thor musste durch die vorgeschriebene Wesensbeurteilung.
Er hat sie bestanden.
Ohne Auflagen.
Unabhängig von politischen und rechtlichen Diskussionen gilt aber etwas viel Einfacheres:
Ein Rottweiler braucht verantwortungsvolle Menschen.
Nicht Menschen, die einen „krassen Hund“ möchten.
Nicht Menschen, die Unsicherheit mit unnötiger Härte beantworten.
Und auch nicht Menschen, die jede unerwünschte Verhaltensweise romantisieren.
Ein guter Rottweiler soll nicht beeindruckend sein, weil andere Angst vor ihm haben.
Er ist beeindruckend genug, wenn er souverän durchs Leben geht.
Für wen passt ein Rottweiler?
Für Menschen, die einen engen, aktiven und kräftigen Begleiter suchen und bereit sind, Verantwortung ernst zu nehmen.
Für Menschen, die klare Regeln nicht mit Härte verwechseln.
Für Menschen, die gerne etwas mit ihrem Hund machen.
Für Menschen, die einen kräftigen Hund körperlich und im Alltag sicher führen können.
Und für Menschen, die damit leben können, dass fremde Personen gelegentlich einen grosszügigen Sicherheitsabstand einhalten, während ihr sogenannter gefährlicher Hund zu Hause rücklings auf dem Sofa liegt und möchte, dass man ihm den Bauch krault.
Häufige Fragen zum Rottweiler
Ist ein Rottweiler gefährlich?
Eine Hunderasse lässt sich nicht seriös allein mit „gefährlich“ oder „ungefährlich“ beschreiben.
Beim Rottweiler spielen Zucht, Sozialisation, Ausbildung, Haltung und Führung eine wichtige Rolle.
Seine Grösse und Kraft bedeuten allerdings, dass verantwortungsvolle Haltung besonders wichtig ist.
Ist ein Rottweiler ein Familienhund?
Ja, ein Rottweiler kann ein enger Familien- und Begleithund sein.
Familienhund bedeutet bei dieser Rasse aber nicht, dass Erziehung, Sozialisation und Beschäftigung überflüssig werden.
Muss ein Rottweiler Hundesport machen?
Nein.
Nicht jeder Rottweiler muss im IGP oder in einem anderen Hundesport geführt werden.
Er braucht aber eine zu ihm passende körperliche und mentale Beschäftigung.
Das kann Hundesport sein – muss es aber nicht.
Auch Nasenarbeit, Trüffelsuche, Fährtenarbeit, Rettungshundearbeit oder andere passende Aufgaben können einen Rottweiler beschäftigen.
Können Rottweiler Therapiehunde sein?
Ja.
Auch Rottweiler können entsprechend ihrer individuellen Eignung und Ausbildung als Therapiehunde eingesetzt werden.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Rasse, sondern vor allem das Wesen und die Eignung des einzelnen Hundes sowie eine entsprechende Ausbildung.
Ist ein Rottweiler für Anfänger geeignet?
Das hängt stärker vom Menschen als von der Anzahl zuvor gehaltener Hunde ab.
Wer sich ernsthaft vorbereitet, kompetente Unterstützung sucht und bereit ist, Zeit in Erziehung und Sozialisation zu investieren, kann geeigneter sein als ein vermeintlich erfahrener Hundehalter, der die Rasse unterschätzt.
Worauf sollte ich beim Rottweiler-Züchter achten?
Auf mehr als Welpenbilder.
Gesundheitsuntersuchungen, Zuchtzulassung, Wesen der Elterntiere, Prüfungen, Aufzuchtbedingungen und das konkrete Zuchtziel des Züchters gehören zu den Punkten, die man sich genauer ansehen sollte.
Mein Fazit zum Rottweiler
Der Rottweiler ist kein Monster.
Aber er ist auch kein schwarzer Golden Retriever mit breiterem Kopf.
Und genau deshalb sollte man bei dieser Rasse weder dramatisieren noch verharmlosen.
Er ist kräftig.
Aufmerksam.
Arbeitsfreudig.
Anhänglich.
Selbstbewusst.
Und bei guter Zucht, Sozialisation und verantwortungsvoller Führung vor allem eines:
Ein erstaunlich vielseitiger, enger und charakterstarker Begleiter.
Man bekommt mit einem Rottweiler ziemlich viel Hund.
Körperlich sowieso.
Aber auch charakterlich.
Und wer sich einmal wirklich auf diese Rasse eingelassen hat, versteht ziemlich schnell, warum dieser Satz so oft fällt:
Einmal Rottweiler. Immer Rottweiler.
Nicht, weil andere Hunde weniger wert wären.
Sondern weil diese Mischung aus Kraft, Anhänglichkeit, Arbeitsfreude, Präsenz und latentem Grössenwahn beim Thema Sofaplatz ziemlich schwer zu ersetzen ist.