Die Tage werden kürzer, und plötzlich ist es morgens beim ersten Spaziergang mit Thor noch dunkel, und abends bei der letzten Runde schon wieder. Jedes Jahr im September passiert das gleiche: Der Herbst kommt schleichend, und dann ist es innerhalb weniger Wochen sowohl morgens als auch abends dunkel, wenn wir raus müssen.

Genau deshalb habe ich zuhause das komplette Leucht- und Reflektor-Equipment für Thor und mich immer griffbereit – eine kleine Schublade voller blinkender Dinge, die aussieht, als würde ich nebenbei eine Diskothek für Hunde betreiben. So kann ich innerhalb weniger Sekunden umrüsten, sobald ich merke, dass es draussen wieder früher dämmert. Diese Vorbereitung ist kein Zufall, sondern eine bewusste Routine geworden, seit ich mir die Zahlen dazu genauer angeschaut habe.

Was viele unterschätzen: Dieser jahreszeitliche Wechsel ist nicht einfach unbequem. Er ist statistisch gesehen einer der gefährlichsten Momente im Strassenverkehr – für Fussgängerinnen und Fussgänger, und genauso für unsere Hunde, die neben uns herlaufen.

In diesem Artikel schaue ich mir an, was die Zahlen tatsächlich sagen, warum Dunkelheit so viel gefährlicher ist, als wir intuitiv annehmen, und was du konkret tun kannst, damit du und dein Hund in den nächsten Monaten sicher unterwegs seid.

Warum der Herbst statistisch die gefährlichste Jahreszeit ist

Die Zeitumstellung Ende Oktober markiert jedes Jahr einen sichtbaren Knick in der Unfallstatistik. Von einem Tag auf den anderen verschiebt sich der Feierabendverkehr in die Dunkelheit – und mit ihm der Heimweg, die Jogging-Runde, der Spaziergang mit Hund. Als hätte jemand ohne Vorwarnung am grossen Lichtschalter der Schweiz gedreht.

Das ist kein subjektiver Eindruck. Die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) wertet die Unfallzahlen des Bundesamts für Strassen seit Jahren systematisch aus, und das Bild ist eindeutig: In den Monaten November und Dezember ereignen sich mit Abstand die meisten Fussgängerunfälle des Jahres – deutlich mehr als in den hellen Sommermonaten (Tagblatt/CH Media, Auswertung BFU-Daten).

Was die Zahlen wirklich sagen

Ich bin niemand, der Statistiken einfach unkommentiert in den Raum stellt – aber diese hier haben mich beim Recherchieren selbst etwas erschreckt, und ich recherchiere sonst eher gelassen:

  • Bei Dunkelheit ist das Unfallrisiko für Fussgängerinnen und Fussgänger doppelt so hoch wie am Tag. (BFU)
  • Im November verunglücken durchschnittlich 60 % mehr Fussgänger schwer als im Mai. (BFU)
  • Für Fussgänger, Velo- und Motorradfahrende steigt die Wahrscheinlichkeit, in den Wintermonaten November bis Februar verletzt oder getötet zu werden, um bis zu 58 % (swissinfo.ch).
  • Im Sicherheitsbarometer 2023 der BFU wurden 522 Fussgängerinnen und Fussgänger schwer verletzt und 46 getötet – beide Werte höher als im Vorjahr (BFU Sicherheitsbarometer).

Auch die deutschen Zahlen zeichnen dasselbe Bild: Laut Auswertungen der Bundesanstalt für Strassenwesen ereignet sich jeder vierte Unfall mit Personenschaden (27 %) in der Dunkelheit – davon 63 % allein zwischen Oktober und Februar. Die Unfallschwere steigt in den langen Winternächten innerorts um das 2,4-fache, ausserorts sogar um das Vierfache (Quelle: Fressnapf/ADAC, zitiert bei tierportal-muenchen.de). Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) beziffert den Anteil der Nachtunfälle im Dezember auf über 50 %, während er im Sommer auf teilweise nur 12 % sinkt.

Zwei Jahreszeiten, ein Muster: Sobald die Dunkelheit den Alltag übernimmt, steigt das Risiko drastisch – nicht graduell, sondern sprunghaft. Die Statistik kennt offenbar keine sanften Übergänge, nur den Herbst-Knall.

Warum wir unsere eigene Sichtbarkeit überschätzen

Der eigentlich interessante Teil der Recherche war für mich nicht die Statistik selbst, sondern die Erklärung dahinter. Die BFU bringt es auf den Punkt: Wer zu Fuss unterwegs ist, überschätzt fast immer die eigene Sichtbarkeit. Man sieht die herannahenden Autos – und schliesst daraus fälschlicherweise, dass man selbst auch gesehen wird. Das ist ein Trugschluss.

Die konkreten Zahlen dazu sind ziemlich ernüchternd: Eine Person mit dunkler Kleidung wird im Scheinwerferlicht eines Autos erst aus etwa 25 Metern Entfernung erkannt. Bei einem Auto, das mit Tempo 50 unterwegs ist, reicht diese Distanz nicht mehr aus, um rechtzeitig zu bremsen. Man selbst hat davon nichts mitbekommen – man dachte ja, man sei „eh gut sichtbar“, weil man die Scheinwerfer klar erkannt hat. Physik fragt einen aber leider nie nach der eigenen Einschätzung.

Mit heller Kleidung verdoppelt sich die Erkennungsdistanz auf rund 40 Meter. Mit Reflektoren verdreifacht sie sich. Und wer Reflektoren gezielt an Hand- und Fussgelenken trägt – dort, wo sich beim Gehen Bewegung zeigt –, wird sogar aus der vier- bis fünffachen Distanz erkannt (BFU).

Das ist der Grund, warum die BFU seit Jahren mit der Kampagne „Nur wer leuchtet, wird rechtzeitig gesehen“ für den jährlichen „Tag des Lichts“ wirbt.

Und was ist mit unseren Hunden?

Hier wird es persönlich. Denn während es für uns Menschen inzwischen recht gut dokumentierte Zahlen gibt, sieht das bei Hunden anders aus: Eine eigene, systematisch erhobene Unfallstatistik speziell für Hunde im Strassenverkehr existiert – zumindest habe ich bei meiner Recherche keine seriöse, offizielle Quelle dafür gefunden. Das möchte ich ehrlich sagen, statt hier eine Zahl zu erfinden, die es so nicht gibt.

Was es aber gibt, ist ein sehr eindeutiger physikalischer Zusammenhang, den auch mehrere veterinärmedizinische und tierärztliche Quellen bestätigen: Ein Hund ist im Schnitt kleiner als ein erwachsener Mensch, läuft näher am Boden und bewegt sich oft unruhiger und weniger vorhersehbar als ein Fussgänger. Das bedeutet: Alles, was für uns Menschen gilt, gilt für unsere Hunde in noch verschärfter Form.

Bei Thor kommt dazu, dass er ein tiefschwarzes Fell mit nur wenigen helleren Abzeichen hat – ein klassischer Rottweiler eben, gebaut wie ein wandelnder Schattenriss. Genau diese dunklen Fellfarben sind es, die in der Dämmerung praktisch mit dem Hintergrund verschmelzen. Ohne Zubehör könnte er theoretisch neben mir herlaufen wie ein sehr entspanntes Stück Nacht. Tierärzt:innen berichten unabhängig voneinander, dass in ihren Praxen in der dunklen Jahreszeit reihenweise Hunde eingeliefert werden, die sich losgerissen haben oder im Dunkeln von Auto- oder Radfahrenden zu spät erkannt wurden (MeikoVet, tierärztliche Einschätzung).

Interessant ist ausserdem: Hunde selbst sehen im Dunkeln deutlich besser als wir – ihre Augen sind mit mehr Stäbchenzellen und einer reflektierenden Netzhautschicht regelrecht für die Dämmerung gebaut. Das Problem ist also nie, dass unsere Hunde uns oder die Umgebung nicht sehen. Das Problem ist ausschliesslich, dass sie selbst für den Verkehr nicht gesehen werden – Thor sieht mich im Dunkeln also vermutlich besser, als ich ihn ohne Leuchthalsband sehe. Eine unfaire Verteilung der Nachtsicht-Talente, wenn man so will.

Was du konkret tun kannst

Die gute Nachricht: Der Hebel, um dieses Risiko drastisch zu senken, ist erstaunlich klein und günstig – man muss also nicht gleich in ein Starlight-Kostüm investieren. Hier ist, worauf ich selbst achte:

Für dich

  • Reflektierende Armbänder für Arm und Bein – klein, günstig, laut Hersteller für Laufen, Wandern, Spazieren, Velofahren gleichermassen geeignet: Reflektierende Sicherheitsbänder
  • Eine LED-Stirnlampe fürs Cap mit Bewegungssensor (Klarus HD3) – Hände bleiben frei, das Licht geht an, sobald du die Hand kurz davor bewegst: Klarus HD3 Cap-Leuchte
  • Für kühlere Abende: eine Mütze mit eingebauter LED-Lampe direkt in der Stirn – praktisch für alle, die im Herbst und Winter sowieso eine Mütze tragen: ATNKE LED-Beanie
  • Eine leichte Outdoor-Jacke mit eingebauten reflektierenden Details statt einer separaten Warnweste – die RevolutionRace Arcade 3L Lightweight sieht aus wie eine ganz normale Wander-/Freizeitjacke, hat die Reflektoren aber direkt integriert: Arcade 3L Lightweight Jacket – Herren · Arcade 3L Lightweight Jacket – Damen

Für deinen Hund

  • Ein komplettes LED-Leuchthalsband, das den ganzen Umfang leuchten lässt, in mehreren Farben wählbar und USB-wiederaufladbar: LED-Leuchthalsband
  • Ein kompaktes Clip-on-Sicherheitslicht wie das Max & Molly Matrix 2.0 Ultra LED – dimmbar, wasserdicht (IPX7), lässt sich an jedes bestehende Halsband oder Geschirr clippen: Max & Molly Matrix 2.0 Ultra LED
  • Zwei kleine, bunte Blink-Clips fürs Halsband als Ergänzung oder Ersatz-Set: LED-Blinklichter im Doppelpack

Ergänzend dazu zwei Grundsätze, die kein Produkt ersetzen kann: Bei langhaarigen Hunden lohnt sich Zubehör, das nicht im Fell verschwindet, und eine gut sichtbare, im Idealfall reflektierende Leine gehört ebenso dazu – ein Thema, das sich gut mit unserem Artikel zur Schleppleinen-Auswahl verbinden lässt. Und ganz grundsätzlich: in der Dunkelheit angeleint, auch wenn der Rückruf sonst zuverlässig sitzt – die Reaktionen von Hunden auf Schatten und Geräusche sind nachts weniger vorhersehbar.

Für den Weg

  • Wo möglich, beleuchtete Strecken wählen.
  • Auf unbeleuchteten Strassen ohne Trottoir entgegen der Fahrtrichtung gehen, damit du entgegenkommende Fahrzeuge siehst, statt von hinten überrascht zu werden.

Sichtbar unterwegs

Ausrüstung für dich und deinen Hund

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Tag des Lichts: ein guter Anlass, jetzt zu handeln

Die BFU nutzt jeweils den Tag des Lichts (2026 findet er am 5. November statt) als jährlichen Fixpunkt, um genau auf dieses Thema aufmerksam zu machen (BFU). Das ist meiner Meinung nach ein guter, konkreter Anlass, um nicht erst zu handeln, wenn es das erste Mal richtig ungemütlich und dunkel ist, sondern schon jetzt, im September, während die Übergangszeit noch etwas Spielraum lässt.

Ich nutze die Wochen jetzt jeweils, um zu prüfen: Sind Thors Leuchtartikel noch funktionstüchtig, sind Akkus geladen, sitzt das Halsband noch richtig? Nichts ist unangenehmer, als mitten in der Dämmerung festzustellen, dass das Blinklicht seit dem letzten Frühling stillschweigend seinen Geist aufgegeben hat. Kleine Routine, grosse Wirkung.

Fazit

Die Zahlen sind eindeutig, auch wenn sie für unsere Hunde nicht in derselben offiziellen Form vorliegen wie für uns Menschen: Dunkelheit verändert das Unfallrisiko nicht ein bisschen, sondern drastisch – und zwar für jeden, der sich zu Fuss oder an der Leine im Strassenverkehr bewegt. Der Herbst kommt jedes Jahr zuverlässig. Die Frage ist nur, ob wir zuverlässig vorbereitet sind, bevor die ersten dunklen Abende da sind.

Ein heller Jackenärmel, ein Reflektorband am Handgelenk, ein Leuchthalsband für den Hund – das sind keine grossen Investitionen. Niemand muss aussehen wie ein wandelnder Weihnachtsbaum (auch wenn ich zugebe, dass Thor mit vollem Leucht-Equipment schon eine gewisse Festbeleuchtungs-Ästhetik entwickelt). Aber genau diese kleinen Dinge sind es, laut BFU, die den Unterschied zwischen „gesehen werden“ und „übersehen werden“ machen.

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